Aufgewachsen auf dem Land. Historische Aufnahmen und Geschichten über Damals im Wendland. Der Landkreis Lüchow Dannenberg als Beispiel für das Leben auf dem Lande im 20. Jahrhundert.



 

        Home    Navigation im

Die Landwirtschaft in der ersten Hälfte des Jahrhunderts

Bereich
Seiten zum Thema Landwirtschaft:
  1920 bis 1950
  1950 bis 1970
  Zu viel Wasser?
  Zargleben '50-'70
  Zargleben '80-'05

 

 

 

 

 

 

 

 
Zunächst ein wenig über eine fast vergessene Technik. Der Göpel als Antrieb für eine stehende Maschine auf einem Foto aus Beutow aus der Sammlung von Renate Schulz in Zebelin.
 
  Wie der Göpel funktioniert, zeigt der Film, der bei einer Vorführung im Wendlandhof in Lübeln aufgenommen wurde. Als Zugtier könnte auch eine Kuh oder ein Esel eingesetzt werden.

 

 

 

 

(rundlingsmuseum.de)

 
Wir wollen auf diesen Seiten keine wissenschaftlich-historische Analyse bieten, sondern uns in das Leben einzelner Menschen versetzen.
Wir lassen Lydia erzählen:

War die Kornernte unter Dach und Fach und bis zur Kartoffelernte eine Verschnaufpause eingekehrt, kam die Dreschmaschine. Sie wurde mit Pferden gefahren und mit einer Dampflok angetrieben. Nun war Gemeinschaftsarbeit angesagt. Viele Helfer waren nötig. Auch wir Kinder halfen mit. Wir mussten das Stroh schleppen, dabei wurde rumgetobt und nach der Arbeit im Heu Verstecken gespielt. Draußen waren lange Tische und Bänke aufgestellt und für alle gab es Butterkuchen und Muckefug. Das war Bonisto-Malzkaffee. Damit er besser schmeckte, wurde er mit Zichorie verfeinert. Abends gab es ein Essen wie zur Hochzeit. Darum hieß es auch Maschinköst.
Die fahrbare Dreschmaschine zog nun von einem Landwirt zum anderen und immer waren alle Kinder dabei. Mein Vater hatte zu der Zeit schon eine eigene eingebaute Dreschmaschine. Das meiste Korn hatten wir gleich, wenn es eingefahren wurde vom Wagen gedroschen. Auch wir brauchten viele Leute zum helfen. Als ich größer war, musste ich immer die Garben aufschneiden und dem nächsten zum Einlegen in die Maschine geben. Die Maschine stand oben in der Scheune. Man musste die Leiter hochsteigen, um dort hinzukommen. Ich bin einmal von der Leiter auf den Boden gesprungen. Die morschen Bretter gaben nach und ich landete zwischen den Treibriemen. Die Maschine stand still, aber mir war nichts passiert. Meine Eltern haben sich noch mehr erschrocken als ich. Die Riemen wurden wieder aufgelegt und die Arbeit ging weiter."

Un nu een beeten mehr up Platt:

Wat hat sick doch bi de Koornernte in een Leben alls ändert.. Mien Vader vertellt mi, wie dat wär as he jung wär. All Kerls ut Dörp güngen ganz früh mit Seißel to mähen los. Denkt ju, dat ganze Koorn müsst mit Seißel afmäht warn. Wenn de Fruns de Köh melkt ham, güng se no Feld. Se müsse dat Koorn mit de Halme upsammeln und to Garben tosomenbinden. De Band mökt man von de Halmen und mit een kunstvoll Knoten höllt dat tosamen. Denn wörn de Garben to Stiegen upstellt. Nu müßt dat schön drögen und mit Ledderwaagen in Schün föhrt warn. Dat Koorn wär mit Döschflögel utslahn. In mien Kinnertied gäv dat schon de Meimaschin. Twee Peer kömen dorför. Nu wär dat för de Buer schon lichter, ober för de Fruns de sülbe Arbeit mit dat upnehmen und Garben binden und to Stiegen upstellen. Bald dornah ha de Meimaschin twee Sitze. Mien Vader löt mi dor upsitten, de Peer to lieden. Up de anner Sitz sät he, de Garben aftoleegen. Dat wär nu schon een grood Arbeitserleichterung för de Fruns. Dat Garben upstellen und inföhren wär dat sülvig. Wenn Gewitter öber Kopp stün, günn dat Biersen los. De Peer angespannt, hen no Feld, de Garben upgestookt und in Schün in de "Banse" gepackt. Wenn dat nich mehr so ielig wär, gönn dat Döschen los. Bi all dat schoor und stöbig Arbeit wär dat een Fest.

Ut Jabel köm de Lohndöscher. Veel Lüüd wärn to Helpen bestellt. Ock all de Kinner ut Dörp helpen. Dat wär een Frei för sem. Se slepen dat Stroh von Hoff na Schün. 

To de "Maschinköst" wär soveel anricht wi to Hochtied: Een Schwien wär slacht und Botterkoken backt. Buten an langen Dischen und Bänk gäv dat dus wunderbare Eten und Kaffee und Koken. Dat wär noch Gemeinschaftsarbeit för Eten und Drinken. 

Wedder een Tied later schaffen sick de Buern sülvst een Döschmaschin (in Hus) an. Dat Utdöschen wär mannigmal glieks von Wagen orrer later, wenn mehr Tied wär. Jo, und denn köm de Sülvstbindermaschin und nodem de Meidöscher. De wärn immer grötter und immer dürer und nur de Buern, de een grood Hof heven, können sick dat leisten. Intwischen gäv dat ock de Maschinenring. Dor können sick de Buern de Maschins för Geld utlehnen. Wat hat sick allens andert. För een lüt Wirtschaft von 15 ha bröke man ständig 7 Arbeitskräfte.

Hüt bewirtschaftet de Buer poor Hundert Morgen ganz allen. De Buersfru mökt oft noch een anner Arbeit in Stadt. De Buer möd mit de Tied mitgahn, sonst kann he nich bestohn. Doch een is immer noch dat sülbig: He is up dat Wedder angewiesen und dat kömt von Boben, dor kömen wi all nix an ändern.

Kartoffelernte

Hatte der Bauer ganz früher Kartoffelernte, brauchte er viele Leute. Die Kartoffeln mussten mit der Hand rausgekratzt werden. Dazu benutzte man den Kartoffelkratzer. Hatte der Bauer für kleinere Landwirte den Acker bestellt, mussten die Frau und auch die größeren Kinder helfen, d. h. sie mussten vier Wochen auf den Knien herumrutschen, die Männer mussten die Körbe mit den Kartoffeln in Säcke kippen und die schweren Säcke zum Wagen bringen. Das machte man zu zweit, indem sie mit Hilfe eines dicken Stockes die Säcke mit Schwung auf den Wagen setzten. Das war für alle eine harte Arbeit.

Im Krieg, als viele Männer Soldat waren, wurden ganze Schulklassen zum Kartoffelsammeln eingesetzt. Zunächst mussten die Ackerränder noch mit der Hand frei gemacht werden. Am nächsten Tag wurden die Kartoffeln Reihe für Reihe mit dem "Klabuster" (Kartoffelroder) rausgeschleudert und dann von den Kindern in Körbe gesammelt. Das ging auch auf den Knien. Jeder wollte der Erste sein und dann ging es flott voran. Hierfür gab es extra lange Ferien. Die Frauen brachten Butterkuchen und Kaffee aufs Feld und abends gab es ein Festessen. Wo haben wir doch überall Kartoffeln gesammelt. Von der Lüchower Schule aus in Künsche, Dünsche, Kolborn und Ranzau. Von der Grabower Schule in Beutow, Belitz und Grabow, dort auf den Gütern. War die Kartoffelernte beendet, wurde das Kraut verbrannt. In der Asche wurden die Kartoffeln geröstet und auf dem Feld gegessen. Die Kartoffelernte hat uns ganz viel Spaß gemacht.
Auch mein Vater bekam eine Schulklasse und zwar meine eigene aus der Mittelschule Lüchow. Ich musste dann vorher mit unserem August die ersten zwei Reihen am Rand vom Kartoffelacker mit der Hand und zwar mit dem Kartoffelkratzer rausmachen.
Obwohl ich als Kind kein großes Interesse an der Landwirtschaft hatte, ich war lieber im Laden, so hat mir doch die Kartoffelernte viel Spaß gemacht.

Kreihenköst

Ja, fröher weer allns anners und beter", so hört man oft von de öller Lüüd. Und se denken vull Wehmut an de Tied torüch. All dat Leeg is vergeten und in Erinnerung blifft dat Schöne. Weet ji noch, wie wi Kreihenköst fiert hefft? Det weer een ganz kandidelt Fest. Grood und Lütt - all harn watt dorvon. An 2. Oostertag günn all Kinner in Dörp rum to Snurren. Hus bi Hus stüert se an. Se han een grood Korf mit Hau, dar leegen de Fruns Höhnereier rin. Höhner harn se fröher all und ock dat~Fudder vor sem. Man bruke sick nich de Hacken aflopen no de "Eier von freilaufenden Hühnern". Oostern weer de grood Küll vörbi und de Höhner leegen werrer düchtig. De Kinner sungen: "Thein Eier, thein Eier in unseren Kiep. Wi sünd arm und ji sünd riek und wenn ji uns keen Eier gäben, schall de Hohn juu Höhner nich mehr treden!" Wenn eener sem nich up Hoff leet, tröck se argerlich af und sungen: "Witt Tweern, swart Tweern, dat all Wief, dat gifft nich gern!" Ober in uns Dörp Grabow dar geev jedereen, wot he könn. Wi harn ock twee grood Güter.
Wenn de Kinner dor wärn, keem de "Gnädige Fru" sülmst vör Döör. Bi ehr müßt se singen: "im Märzen der Bauer die Rößlein anspannt!" Jo, mit de Rößlein, dat is nu ock vörbi. Und Eier wär dat nu ok nich mehr gäben. Ober dormals - wat wär dat för Freid, wenn de Korf full wär! Denn günn dat tröch na Dörp. Unnerwegs eeten se de bunte hartkookt Oostereier und de rohen Eier verköpen se bi mien Mama in Loaden. Dorfür kreegen se Geld. Dat gäven se glieks för Beulschen, Bruuspulver, Lakritzen und Veilchenpastillen ut. Sünndog na Oostern, denn günn dat Kumedie erst richtig los. Kreihenköst, dat wär fröher de Belohnung för de Knechen, weil se de Kreihennester utnohm han, dormit de veelen Kreihen de Saat up Feld nich kaputt möken. Knechen, dat wärn all de grood Jungens, of se nu Buerjungs orrer Arbeiterjungs wärn. Wärn se konfirmiert, hören se dorto. All tosom günn nu de Knechen in Dörp rum to Snurren. Se kreegen ock Höhnereier, aber vor allem Schluck und ock Geld. Und mannig een möck dat nu Spooß, de Bengels so richtig intoseepen. De Jüngste, he müß de Kreihennest drogen - wär toerst dun. Dat Schluck, wat he nich gewohnt wär, steeg ehm to Koop. De bannig starken ham ehr Last, de dun Jungs und de Eier heel na Krog to kreegen. Dar wärn se braad. In Grabow möck dat mien Schwester. Se kooke ock Kaffee, dat de Bengels werrer nüchtern wärn. Up de Obend freien sick de Deerns, denn wär Musik und Danz up de Sool. Eener ut Dörp speelt mit de Hondorgel, dat köst keen Geld und dorum ock keen Intritt. Een Fatt Beer wär ansteekt. Dat ham sick de Knechen noch tosamen snurrt. Und denn wär fiert und danzt. All ut Dörp keem, de oll Fruns wärn de Tokieker. Se passen genau up, wer mit wem danzt und wievölmal mit de Gliek. Kreihenköst, dat wür een schön Fest!

In der Schmiede

 


In der Tour erzählt Lydia auf einer reinen Textseite auf Plattdeutsch (mit Übersetzung) über die Weihnachtszeit in ihrer Kindheit.

Mehr Text auf Platt. Weihnachtszeit.

Danach folgt Jameln 1930-1960
 

zurück      nach oben                        Landwirtschaft in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts